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Wenn wir es völlig konkret fassen: Ein Buch und eine Erwartung.
Eure Erwartung geht auf eine Wiederkehr, unsere auf das unvorweg-genommene Kommen.
Wir können des einen Kommenden gemeinsam harren; und es gibt Augenblicke, da wir ihm gemeinsam die Strasse bahnen dürfen.
Vormessianisch sind wir schicksalsmässig getrennt. Da ist der Jude für den Christen unverständlich als der Verstockte, der nicht sehen will, was sich begeben hat. unverständlich der Christ dem Juden als der Verwegene, der in der unerlösten Welt schon ihre vollzogene Erlösung behauptet.
Das ist eine von keiner Menschenmacht überbrückbare Spaltung. Aber sie verwehrt nicht das gemeinsame Ausschauen in eine von Gott herkommende Einheit.
Martin Buber, 1933
Die christlich-jüdische Zusammenarbeit in Karlsruhe speist sich aus vier historischen und geistigen Wurzeln:
Die Anfänge der christlich-jüdischen Zusammenarbeit in Deutschland gehen auf die Jahre 1945 bis 1947 zurück und diese erhielt ihre Anregung durch ähnliche nationale Räte in den USA, Grossbritannien, Frankreich und der Schweiz. Die ersten regionalen Gesellschaften entstanden im Nachkriegsdeutschland seit 1948/49 in München, Wiesbaden, Frankfurt/M., Stuttgart und Berlin, die sich ihrerseits am 10. November 1949 zum Deutschen Koordinierungsrat (DKR) mit Sitz in Bad Nauheim zusammen schlossen. Bis heute entstanden über 80 regionale Gesellschaften, ab 1989 auch in den Bundesländern Ostdeutschlands.
1951 gründeten Karlsruher Bürger und Vertreter der Gewerkschaften und politischen Parteien sowie der Kirchen der Stadt einen entsprechenden Zusammenschluss und waren damit unter den ersten zehn Gesellschaft für den christlich-jüdischen Dialog in Deutschland.
Im Lauf der nun mehr als 50-jährigen Geschichte verlagerte sich der Schwerpunkt der Aktivitäten der Verbände mehrfach. So standen zuerst erzieherische Massnahmen im Vordergrund der Arbeit, dann wieder theologische oder politische Fragen. Die Gesellschaften traten mit Erfolg für eine Revision des christliche Religionsunterrichtes, die Überwindung von Antijudaismus in Theologie und Kirche, die Anerkennung des Staates Israel, die Aussetzung der Verjährung von NS-Verbrechen und immer wieder für die angemessene "Wiedergutmachung" an den noch wenigen Überlebenden des Holocaust ein.
Einer der Höhepunkte ist in jedem Jahr im März die "Woche der Brüderlichkeit", die seit 1950 begangen wird und unter einem besonderen Jahresthema steht. Seit 1968 wird in dieser Woche vom DKR auch die "Buber-Rosenzweig-Medaille" an Menschen verliehen, die sich für den christlich-jüdischen Dialog besonders eingesetzt haben.
Der gemeinsame Dachverband, der Deutsche Koordinierungsrat, vertritt die Gesellschaften im Internationalen Rat der Christen und Juden (ICCJ), in dem 32 nationale Vereinigungen für Christlich-Jüdische Zusammenarbeit kooperieren.
Gegenwärtig zählen sich bundesweit rund 20.000 Menschen zu den aktiven Mitgliedern der regionalen Gesellschaften und fördern deren Arbeit durch Spenden oder Mitgliedsbeiträge. Daneben finanzieren sich die Gesellschaften und der DKR auch über öffentliche Zuschüsse.